Roma Integration

Hoffnung durch “Dekade der Roma-Integration” in Osteuropa


Acht Länder Mittel- und Osteuropas haben unter Mithilfe der EU ab 2005 die “Dekade der Roma-Integration” ausgerufen. Ziel ist, die Diskriminierung zu beenden und die Eingliederung zu fördern. Sinti und Roma leben in den verschiedensten Ländern der Welt, die meisten jedoch in Mittel- und Osteuropa. Eine Vielzahl von ihnen sieht sich bis heute Vorurteilen der restlichen Bevölkerung ausgesetzt und fühlt sich nicht als Teil der Gemeinschaft. Vor allem in Osteuropa gibt es noch immer so genannte “Zigeunersiedlungen” am Rande von Dörfern, in denen die Menschen ohne fließendes Wasser und Strom leben müssen. Es muss also etwas getan werden. Verschiedene Hilfsorganisationen setzen sich für eine Verbesserung der Situation ein.

Eine neue Initiative sorgt für Aufsehen: So haben acht Länder Mittel- und Osteuropas unter Mithilfe der Europäischen Union reagiert und von 2005 bis 2015 die “Dekade der Roma-Integration” (”Dekade” stammt aus dem Altgriechischen und steht für ein Jahrzehnt) ausgerufen. Ziel dieser Kampagne ist, die Diskriminierung zu beenden und die Unterschiede zwischen Roma und anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufzuheben. Die Länder verpflichten sich, die Eingliederung in Schulen zu fördern sowie die Gesundheitssituation der Roma zu verbessern.

Doch gerade an der Schulsituation hat sich in Osteuropa bisher nicht viel verändert. So werden zum Beispiel immer noch häufig Romakinder auf Sonderschulen geschickt, weil sie die Landessprache nicht so gut können, statt dass der Staat ihnen Sondersprachkurse anbietet, um eine Integration zu ermöglichen. Spricht man mit Roma in Osteuropa, so zeigen sich viele enttäuscht, die “Dekade der Roma-Integration” habe noch nicht viel bewirkt. Immerhin bleiben der Dekade noch acht Jahre, um die Situation der Sinti und Roma endlich entscheidend zu verbessern.

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Der lange Weg der „Zigeuner“

Wie viel wurde schon über „Gipsy“ geredet und geschrieben, ohne die Vorurteile gegenüber Roma und Sinti in Europa abzubauen. Dabei ist Gipsy noch die freundlichere Form der Ansprache gegenüber Zigeuner wie noch immer in Europa üblich.

Roma und Sinti leben heute fern von ihrer Urheimat, dem indischen Punjab, einem Gebiet im nordwestlichen Indien und östlichen Pakistan. Sie wurden im 9. und 10. Jahrhundert von den Araber verschleppt um sie als Sklaven und Soldaten gegen die oströmischen Legionen ins Feld zu schicken. Noch im 11. Jahrhundert wurden weitere „Zigeuner“ als Gefangene auf den Balkan, vorzugsweise nach Griechenland, Rumänien, Serbien und Transsylvanien gebracht.

Zigeuner ist vielfach die fälschliche Bezeichnung für Sinti und Roma. Gemeint ist eigentlich eine „zigeunerische Lebensform“, als das „Herumzigeunern“ nicht sesshaft sein. Die überwiegende Mehrheit der Roma lebt bereits seit vielen Generationen vor allem in Südosteuropa und seit Jahrhunderten in Mitteleuropa ortsgebunden. Trotzdem können sie das Etikett des „Zigeuerns“ nicht ablegen.

Das Wort Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung, die im Deutschen wahrscheinlich aus dem Ungarischen (cigány) entlehnt ist und in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen vorkommt. Speziell im Deutschen wurde Zigeuner fälschlich als „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“ umgedeutet, was mit ein weiterer Grund dafür ist, dass die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt wird.

Seit 1407 gibt „Zigeuner“ in Deutschland, die vorerst mit einem Schutzbrief von König Sigismund ausgestattet wurden. Ihr Musikalität und vor allem ihre Handwerkskunst, wie die Erzeugung von Geigen oder Schmuck und Waffen, brachte ihnen vorerst Anerkennung und dann gleich Neid entgegen. Zünfte und auch die Kirche, wegen der Fähigkeiten der Sintifrauen die Zukunft vorherzusagen, standen den Sinti und Roma plötzlich als „Feinde“ gegenüber. Es ging soweit, dass die Sonderrechte aufgehoben und jeder Zigeuner zu Freiwild erklärt wurde. Wer einen Zigeuner auf seinen Besitz antraf durfte ihn straflos töten.

Eines der dunkelsten Kapitel im Leben der Roma und Sinti ist die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Sie wurden verfolgt, ausgegrenzt und im schlimmsten Fall in eines der Konzentrationslager eingeliefert und somit der Vernichtung preisgegeben.

Aber genauso wie im Falle der Juden sind die Vorurteile gegen die Sinti und Roma schon Jahrhunderte alt. Sie galten als verantwortlich für die Pest, Cholera und Rattenplage. als Türkenspione, „jüdisch versippt“ und der Hexerei fähig. Als Asoziale und Kriminelle beschimpft man sie noch bis heute. Und bestenfalls werden sie mit herablassendem Wohlwollen als „Problemfamilien oder fremdartige Randgruppe“ betrachtet.

Romantisierende Zigeuner-Bilder wurden seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zu einem verbreiteten und langlebigen Sujet in Oper und Operette. Im Mittelpunkt standen vor allem Frauen.

Die berühmteste aller Opernfiguren dürfte Bizets Carmen (1875) sein, die auf der Titelfigur von Prosper Mérimées Novelle beruht. Sie trug mehr noch als ihre Vorlage zum Mythos von der leidenschaftlichen, bürgerliche Konventionen missachtenden (und dafür den Tod erleidenden) „Zigeunerin“ bei. Die Carmen-Figur wurde in zahlreichen Bühnen-, Tanz- und Film-Bearbeitungen bis ins 20. Jahrhundert aufgegriffen und so einer der berühmtesten Frauentypen der neuzeitlichen Dramatik.

Etwa 10 Millionen Sinti und Roma leben heute in Europa. Sie nennen sich Rom, d.h. Mensch. Als Mensch gesehen und behandelt zu werden ist eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit. Dass sie dieses Selbstverständnis immer noch fordern und erkämpfen müssen, stellt die behauptete Menschlichkeit unserer Gesellschaft in Frage.

2005 wurde von acht Staaten, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien-Montenegro und der Slowakei ein Integrationsabkommen unterzeichnet, dass die Diskriminierung aufheben und die Unterschiede zwischen Roma und anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufheben soll. Die Initiative der acht Staaten ist das erste koordinierte Programm mit dem Ziel, die Probleme der Roma zu lösen und Europas größte Minderheit zu mehr Rechten zu verhelfen.

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