Gipsy Integration

Gipsy Integration - Teil 2



Nicht nur in Italien: Die Integration der Sinti und Roma könnte deutlich verbessert werden 02/07 20:36 CET

So das Fazit der Kommission in ihrem Lagebericht im Rahmen ihres neuen Sozialpakets. Der Plan der italienischen Regierung, im Kampf gegen Kriminalität Fingerabdrücke der Roma zu sammeln, löste Proteste auch im Ausland aus.

In vielen Teilen Europas leben die ungezählten Millionen Roma in Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Lebenserwartung niedriger als die der meisten Europäer, stellt die Kommission fest. Die Gesetze zu ihrer Integration seien angemessen, aber es hapere bei der Anwendung.

Die erste Empfehlung aus Brüssel: Die Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds sollten besser eingesetzt werden. Knapp dreihundert Millionen Euro flossen in den vergangenen Jahren bereits. Wobei allerdings manche Kommune mit ihren Bemühungen auf Widerstand bei den Roma selbst trifft, die um ihre Identität fürchten.

Ändert sich jedoch nichts, warnt die Kommission, wird die überwiegend junge Roma-Bevölkerung, die schon jetzt nicht regelmäßig beschult wird, in der nächsten Generation weiter mehrheitlich in Armut leben.

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Zigeuner Verfolgung

Das Europa der “Zigeuner”-Verfolgung

08. Juni 2009, 18:53

Quelle: Der Standard

Damals wie heute: Millionen Roma und Sinti leben in Europa mit Diskriminierung, offenem Rassismus, sozialer Deklassierung und in der Agonie von Ghettos. Der von den Nationalsozialisten an den Roma und Sinti begangene Völkermord und die aktuelle Lage der größten Minderheit Europas sind Themen eines Festivals in Salzburg

Salzburg - 51 Menschen aus dem Salzburger Sammellager Maxglan waren die vermutlich prominentesten Sinti im Dritten Reich. Die 51 Sinti wurden als sogenannte Kleindarsteller für Leni Riefenstahls Film Tiefland - in den Jahren 1940 und 1941 im deutschen Mittenwald gedreht - zwangsverpflichtet. “Danach wurden 25 nach Auschwitz-Birkenau, drei nach Ravensbrück und 13 nach Lackenbach deportiert. Das Schicksal der übrigen zehn ist noch ungeklärt”, hat der Salzburger Historiker Gert Kerschbaumer recherchiert.

Für sechs Kinder der annähernd 230 im “Zigeunerlager” Maxglan Inhaftierten werden am 22. Juni Stolpersteine als dezentrale Mahnmale der Erinnerung am Platz des einstigen Lagers in den Boden eingelassen. Die Verlegung der Stolpersteine für die in Auschwitz-Birkenau ermordeten Sinti bildet den Abschluss einer mehrtägigen Veranstaltungsserie, im Zuge derer sich zahlreiche Salzburger Initiativen der Diskriminierung und Verfolgung von Europas größter Minderheit widmen. Insgesamt leben in Europa rund zehn Millionen Roma, acht Millionen davon in Staaten der EU.

Das freie Radio “Radiofabrik” beispielsweise wird zum Gedenken an die inhaftierten Roma und Sinti die Radiosendung Das “Zigeunerlager” Salzburg-Maxglan. Vorhof zum KZ zum auditiven Inhalt eines eigenen Hörmahnmals machen, das in Form einer kubistischen Skulptur im öffentlichen Raum seh- und hörbar wird. So wie die Assoziation eines Fuhrwerks den Bewegungswillen der fahrenden Völker repräsentiert, soll sich das Hörmahnmal durch die Stadt bewegen.

Verfolgung auf der Tagesordnung

“Die Verfolgung ist auch heute aktuell, Verfolgung mit pogromartigen Zügen” sei in Osteuropa längst wieder auf der Tagesordnung, beschreibt der Salzburger Filmemacher Hermann Peseckas die Lage der Roma in Osteuropa. Thema der Veranstaltungsserie sei nicht nur der Holocaust, generell könne der Antiziganismus, wie der in Analogie zum Begriff Antisemitismus gebildete Fachbegriff für “Zigeuner”-feindlichkeit lautet, “als eine Art kultureller Code der europäischen Mehrheitsgesellschaft bezeichnet werden”.

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Gipsy und gute Bildung

Wo “Zigeuner” kein Schimpfwort ist

Am 8. April war “Internationaler Tag der Roma


Die Roma sind eine Minderheit in Europa, die oft nicht gut in die Gesellschaft integriert ist. Im bulgarischen Lom haben eine engagierte Gemeinde und motivierte Roma-Vertreter zu einem guten Zusammenleben gefunden.

Menschen spazieren bei schönstem Frühlingswetter durch die Fußgängerzone in Lom, die Cafés sind gut gefüllt: Roma sitzen neben Bulgaren. Das Café “Elena” gehört Veselka Asenova – auch sie gehört zu den Roma. Für ihre Gäste, zum größten Teil Bulgaren, sei ihre Abstammung nicht wichtig, erzählt sie. “Ich fühle mich hier überhaupt nicht diskriminiert. Ich habe sehr viele bulgarische Freunde.”

Ein friedliches Miteinander

Roma sind in weiten Teilen Südosteuropas nicht integriert
In Bulgarien ist das etwas Besonderes, denn oft werden Roma aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Dass das in Lom anders ist, liegt vor allem an einer engagierten Gemeindepolitik. Bürgermeisterin Penka Penkova setzt sich seit zwölf Jahren für die Roma-Gemeinde ein. “Wir werden oft tolerant genannt. Aber ich sage immer: Wir kümmern uns einfach um die Bedürfnisse der Leute und arbeiten mit den Roma-Vertretern zusammen”, erklärt sie. Die Roma lebten schließlich schon seit über 150 Jahren bei ihnen, sagt die Bürgermeisterin.

Nikolay Kirilov, einer der Vertreter der Roma-Gemeinde, hat vor 13 Jahren die Nichtregierungsorganisation “Roma Lom Foundation” gegründet. Damals habe er als Vorsitzender des Gemeinderates gesehen, wie unterschiedlich Roma und Bulgaren behandelt worden seien. “Die Schule mit vielen Roma-Schülern hat zehnmal weniger Geld bekommen als die Schule mit bulgarischen Schülern”, erinnert er sich. Gemeinsam mit den Behörden sei diese Ungerechtigkeit behoben worden, sagt Kirilov. Bildung für alle wird seitdem in der Gemeinde groß geschrieben.

Gemeinsam für eine gute Bildung

Im bulgarischen Lom funktioniert das Miteinander zwischen Roma und Bulgaren
In die Schule “Hristo Botev” im Viertel Mladenovo gehen vor allem Roma. Das Klassenzimmer ist bunt angemalt, Zeichnungen hängen an den Wänden. Eigentlich sind Ferien, doch Juliana ist trotzdem in der Schule: Sie bekommt Mathe-Nachhilfe von ihrer Lehrerin Bojanka Zvetanova. Julianas Eltern arbeiteten zurzeit in Deutschland, das Mädchen wohne bei ihren Großeltern, erzählt die Lehrerin. “Wer soll ihr zu Hause helfen? Aber es ist toll, dass die Oma das Kind zum Lernen hierher schickt.”

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Roma Integration

Hoffnung durch “Dekade der Roma-Integration” in Osteuropa

Acht Länder Mittel- und Osteuropas haben unter Mithilfe der EU ab 2005 die “Dekade der Roma-Integration” ausgerufen. Ziel ist, die Diskriminierung zu beenden und die Eingliederung zu fördern. Sinti und Roma leben in den verschiedensten Ländern der Welt, die meisten jedoch in Mittel- und Osteuropa. Eine Vielzahl von ihnen sieht sich bis heute Vorurteilen der restlichen Bevölkerung ausgesetzt und fühlt sich nicht als Teil der Gemeinschaft. Vor allem in Osteuropa gibt es noch immer so genannte “Zigeunersiedlungen” am Rande von Dörfern, in denen die Menschen ohne fließendes Wasser und Strom leben müssen. Es muss also etwas getan werden. Verschiedene Hilfsorganisationen setzen sich für eine Verbesserung der Situation ein.

Eine neue Initiative sorgt für Aufsehen: So haben acht Länder Mittel- und Osteuropas unter Mithilfe der Europäischen Union reagiert und von 2005 bis 2015 die “Dekade der Roma-Integration” (”Dekade” stammt aus dem Altgriechischen und steht für ein Jahrzehnt) ausgerufen. Ziel dieser Kampagne ist, die Diskriminierung zu beenden und die Unterschiede zwischen Roma und anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufzuheben. Die Länder verpflichten sich, die Eingliederung in Schulen zu fördern sowie die Gesundheitssituation der Roma zu verbessern.

Doch gerade an der Schulsituation hat sich in Osteuropa bisher nicht viel verändert. So werden zum Beispiel immer noch häufig Romakinder auf Sonderschulen geschickt, weil sie die Landessprache nicht so gut können, statt dass der Staat ihnen Sondersprachkurse anbietet, um eine Integration zu ermöglichen. Spricht man mit Roma in Osteuropa, so zeigen sich viele enttäuscht, die “Dekade der Roma-Integration” habe noch nicht viel bewirkt. Immerhin bleiben der Dekade noch acht Jahre, um die Situation der Sinti und Roma endlich entscheidend zu verbessern.

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Der lange Weg der „Zigeuner“

Wie viel wurde schon über „Gipsy“ geredet und geschrieben, ohne die Vorurteile gegenüber Roma und Sinti in Europa abzubauen. Dabei ist Gipsy noch die freundlichere Form der Ansprache gegenüber Zigeuner wie noch immer in Europa üblich.

Roma und Sinti leben heute fern von ihrer Urheimat, dem indischen Punjab, einem Gebiet im nordwestlichen Indien und östlichen Pakistan. Sie wurden im 9. und 10. Jahrhundert von den Araber verschleppt um sie als Sklaven und Soldaten gegen die oströmischen Legionen ins Feld zu schicken. Noch im 11. Jahrhundert wurden weitere „Zigeuner“ als Gefangene auf den Balkan, vorzugsweise nach Griechenland, Rumänien, Serbien und Transsylvanien gebracht.

Zigeuner ist vielfach die fälschliche Bezeichnung für Sinti und Roma. Gemeint ist eigentlich eine „zigeunerische Lebensform“, als das „Herumzigeunern“ nicht sesshaft sein. Die überwiegende Mehrheit der Roma lebt bereits seit vielen Generationen vor allem in Südosteuropa und seit Jahrhunderten in Mitteleuropa ortsgebunden. Trotzdem können sie das Etikett des „Zigeuerns“ nicht ablegen.

Das Wort Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung, die im Deutschen wahrscheinlich aus dem Ungarischen (cigány) entlehnt ist und in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen vorkommt. Speziell im Deutschen wurde Zigeuner fälschlich als „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“ umgedeutet, was mit ein weiterer Grund dafür ist, dass die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt wird.

Seit 1407 gibt „Zigeuner“ in Deutschland, die vorerst mit einem Schutzbrief von König Sigismund ausgestattet wurden. Ihr Musikalität und vor allem ihre Handwerkskunst, wie die Erzeugung von Geigen oder Schmuck und Waffen, brachte ihnen vorerst Anerkennung und dann gleich Neid entgegen. Zünfte und auch die Kirche, wegen der Fähigkeiten der Sintifrauen die Zukunft vorherzusagen, standen den Sinti und Roma plötzlich als „Feinde“ gegenüber. Es ging soweit, dass die Sonderrechte aufgehoben und jeder Zigeuner zu Freiwild erklärt wurde. Wer einen Zigeuner auf seinen Besitz antraf durfte ihn straflos töten.

Eines der dunkelsten Kapitel im Leben der Roma und Sinti ist die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Sie wurden verfolgt, ausgegrenzt und im schlimmsten Fall in eines der Konzentrationslager eingeliefert und somit der Vernichtung preisgegeben.

Aber genauso wie im Falle der Juden sind die Vorurteile gegen die Sinti und Roma schon Jahrhunderte alt. Sie galten als verantwortlich für die Pest, Cholera und Rattenplage. als Türkenspione, „jüdisch versippt“ und der Hexerei fähig. Als Asoziale und Kriminelle beschimpft man sie noch bis heute. Und bestenfalls werden sie mit herablassendem Wohlwollen als „Problemfamilien oder fremdartige Randgruppe“ betrachtet.

Romantisierende Zigeuner-Bilder wurden seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zu einem verbreiteten und langlebigen Sujet in Oper und Operette. Im Mittelpunkt standen vor allem Frauen.

Die berühmteste aller Opernfiguren dürfte Bizets Carmen (1875) sein, die auf der Titelfigur von Prosper Mérimées Novelle beruht. Sie trug mehr noch als ihre Vorlage zum Mythos von der leidenschaftlichen, bürgerliche Konventionen missachtenden (und dafür den Tod erleidenden) „Zigeunerin“ bei. Die Carmen-Figur wurde in zahlreichen Bühnen-, Tanz- und Film-Bearbeitungen bis ins 20. Jahrhundert aufgegriffen und so einer der berühmtesten Frauentypen der neuzeitlichen Dramatik.

Etwa 10 Millionen Sinti und Roma leben heute in Europa. Sie nennen sich Rom, d.h. Mensch. Als Mensch gesehen und behandelt zu werden ist eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit. Dass sie dieses Selbstverständnis immer noch fordern und erkämpfen müssen, stellt die behauptete Menschlichkeit unserer Gesellschaft in Frage.

2005 wurde von acht Staaten, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien-Montenegro und der Slowakei ein Integrationsabkommen unterzeichnet, dass die Diskriminierung aufheben und die Unterschiede zwischen Roma und anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufheben soll. Die Initiative der acht Staaten ist das erste koordinierte Programm mit dem Ziel, die Probleme der Roma zu lösen und Europas größte Minderheit zu mehr Rechten zu verhelfen.

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